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Wie sich Verantwortungsgefühl auf meine persönliche Entwicklung ausgewirkt hat.

Beth Green


“Das Kind soll sich jeden Tag die Aufnahmen der geübten Stücke zu Hause anhören, um musikalisches Einfühlungsvermögen zu entwickeln.“ –  „Schnelles Vorwärts-kommen ist von diesem Zuhören abhängig“ – „Tonalisation (das Produzieren eines schönen Klangs) soll sehr wichtig genommen werden.“ – „Ständige Aufmerksamkeit soll der korrekten Intonation, der richtigen Sitzhaltung und der ordentlichen Verbeugung gewidmet werden.“

Shinichi Suzuki


Daß diese Worte soviel Einfluß auf mein Leben haben würden, hätte ich als neunjährige Geigenanfängerin nie erahnen können. Diese „wesentlichen Punkte“, die auf der ersten Seite des ersten Bandes der Suzuki-Violinschule abgedruckt waren, wurden mir sicherlich vorgelesen, bevor ich mit meinem Violinunterricht begann, aber sie enthielten für mich wenig oder gar keinen Sinn, bis die eigentliche Arbeit anfing.

Das Lernen des Geigenspiels nach der Suzuki-Methode basiert auf der Idee, dass man das Sprechen lernt, ohne gleich das Alphabet zu kennen oder lesen zu können. Also – warum nicht auch Musik durch Hören lernen, ohne dass man Noten lesen kann? Um auf diesem Wege zu lernen, muß das Kind die Stücke, die es gerade lernt, immer wieder anhören, bis sie wie ein Teil von ihm selbst werden: Wenn das Kind dann diese Musik spielt, kommt sie „aus dem Bauch heraus“, also von innen und nicht von einem Stück bedruckten Papiers. Das Hören dieser Referenz-Aufnahmen ist maßgeblich für kontinuierliche Fortschritte. Darüber hinaus müssen die Grundtechniken gemeistert werden, damit ein Schüler weiterkommt.... Genau geachtet wird auf einen guten Ton, präzise Intonation, korrekte Haltung und die richtige Art des Verbeugens. Viele Stunden werden einfach für das Lernen der richtigen Haltens der Violine gebraucht, bevor eine einzige Note gespielt wird. Nachdem ich jetzt acht Jahre Violine gelernt habe, sind diese Grundtechniken für mich eindeutig klar. Die Verantwortung, diese Grundlagen täglich zu üben, beeinflusst nicht nur mein Können auf der Geige, sondern auch die Fähigkeit, meinen Tag vernünftig und den wichtigen Dingen entsprechend zu organisieren, und  auch meine Fähigkeit, auswendig zu lernen.

Lernen mit der Suzuki-Methode erfordert von einem Elternteil oder Betreuer die regelmäßige Teilnahme an den Unterrichtsstunden in den ersten Jahren. Dadurch wird moralische Unterstützung für dem leicht zu frustrierenden Anfänger gewährleistet, zudem machen sich die Eltern Notizen, um den Kind beim Üben zuhause zu helfen. Nach jeder Unterrichtsstunde gab mir meine Mutter ein Liste mit vier oder fünf neuen „Zielen“ für die nächste Woche, die den wesentlichen Punkten der vorangegangenen Unterrichtsstunde entsprach. Ich konnte sie dann in mein Üben einbauen.

Die Zeitstrukturierung stellte dabei die wichtigste Grundlage dar. Da ich nur fünfundvierzig Minuten oder eine Stunde pro Tag meiner Violine widmen konnte, lernte ich schnell, die Zeit richtig einzuteilen: Ein Teil für Tonübungen, ein Teil für Tonleitern, ein Teil für Solostücke usw. Eine erfolgreiche Übe-Organisation brachte erfolgreiche Unterrichtstunden.

Diese Fähigkeit zur Zeitstrukturierung wurde in meinem musikalischen Leben immer wichtiger, je älter ich wurde, und je mehr die Verantwortung und die Anforderungen an meine Zeiteinteilung zunahmen. Ich lernte vorausschauend zu planen, und ordnete den Aufgaben, die zu erledigen waren, bestimmte Zeiteinheiten zu: 15 bis 16 Uhr für Violine, 16 bis 17 Uhr Mathe-Hausaufgaben, 18 bis 19 Uhr für das Fach Geschichte usw. Indem ich meine Zeit einteilte, habe ich mir die Belastung durch viele Aufgaben leichter gemacht, ich habe auch mehr geschafft und hatte die Zeit, alles richtig zu machen!

Verbunden mit der Zeiteinteilung spielte auch die Prioritätensetzung eine wichtige Rolle: Ich musste nicht nur entscheiden, wann meine Aktivitäten stattfinden sollten, sondern auch, welche ich durchführen sollte und welche nicht. Die große Verantwortung, die ich mit auferlegt hatte, wurde mir ziemlich schnell bewusst, da ich als Neunjährige die Hausaufgaben vor dem Spielen einordnete, und das Üben gleichzeitig weit oben auf der Prioritätenliste stand.

Auch meine Fähigkeit etwas auswendig zu lernen wurde durch die Suzuki-Methode stark beeinflusst. Ich war verantwortlich dafür, jedes je erarbeitete Stück auswendig zu können – nach acht Jahren hatte ich ein Repertoire von über 50 Stücken aufgebaut. Das Auswendiglernen wird ohne viel Aufwand nebenher entwickelt, da zunächst kurze und recht einfache Stücke, und dann langsam und stetig längere und komplexere Stücke gelernt werden. Die Anstrengung hat sich allemal gelohnt. Das kontinuierliche Wiederholen über einen gewissen Zeitraum ist der Schlüssel zum einfachen Auswendiglernen von Musik. Dieser Schlüssel offenbarte mir ganz neue Wege des Lernens. Indem ich in der Schule Informationen in Listen oder Gruppen sortierte, konnte ich sie ohne Probleme auswendig lernen – ich musste einfach die Liste einmal täglich und vor einer Arbeit schnell durchschauen. Je länger meine Stücke wurden, umso ausgefeilter wurde mein Fähigkeit auswendig zu lernen und meine Lernmethoden. Die Vorteile, die mir das Geigelernen gebracht haben, werden mich ein Leben lang begleiten. Fürs erste habe ich Freude am Spielen und für die Zukunft –selbst wenn ich aufhöre zu spielen-, habe ich die Disziplin, die die vielen Jahre des Geigeübens mir gebracht haben.


Die Abiturientin Beth Green ist eine Schülerin von Bette Dyer im Wheaton College Suzuki-Program. Sie stammt aus Naperville, Illinois, USA, und hat diesen Aufsatz als Teil der Aufnahmeprüfung an der Universität MIT geschrieben. Er wurde aus der Sommer-Ausgabe 1986 der Suzuki-Association of the Americas, Inc., entnommen und aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.